Rituale braucht das Kind

Jeden Morgen starten Emil und ich mit einem Besuch beim Bäcker. Wir holen frische Brötchen und ein typisch dänisches süßes Teilchen darf dabei nicht fehlen. Diese sind meist mit sehr viel Zimt und ordentlich Zuckerguss obendrauf. Um einen Zuckerschock beim kleinen Mann zu vermeiden, verköstigen wir dieses alleine, was echt gut klappt wenn man bedenkt dass Emil meist das essen will was wir uns gerade zum Mund führen. Das Brötchenholen soll für unseren restlichen Trip eine Art „Ritual“ zwischen Emil und mir werden, denn schließlich brauchen Vater & Sohn ihre eigenen Rituale.
Wir genießen die Tage sehr, aber nun heißt es für uns auf nach Hirtshals. Die Fahrt auf der Autobahn ist echt entspannend, die meisten cruisen mit 120 km/h so vor sich hin (zulässige Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen liegt bei 130 km/h) und wir reihen uns da einfach mit ein. Zudem gilt auf dänischen Autobahnen das Reißverschlussverfahren beim Auffahren auf die Autobahn was erstaunlicherweise echt gut klappt. Schließlich ist es Zeit für eine Pause. Emil ist bereits wach und sehr ungeduldig, so dass wir keine große Zeit haben uns einen schönen Pausenplatz zu suchen und kurzer Hand auf dem nächst besten Rastplatz anhalten. Nachdem wir zu Mittag gegessen haben und mit Emil ein bisschen spielen fällt uns auf einmal ein schwarzer Punkt am Halsansatz von Emil auf. Nach genauerem hinsehen entdecken wir eine Zecke. Dank der Babypackliste aus dem Internet haben wir eine Zeckenzange dabei, auch wenn wir uns beim Packen gefragt haben ob das wirklich notwendig ist. Jedoch nimmt das Teil sowenig Platz weg, dass wir uns jegliche Diskussion darüber erspart haben und so ist die Zange in Emils Kulturbeutel gelandet. Nun muss einer Emil gut festhalten und der andere die Zecke entfernen. Soweit die Theorie. Die Praxis allerdings besteht aus einem fürchterlich schreiendem und weinendem Kind und 2 hilflosen Eltern die immer wieder versuchen das Zeckengetier zu lösen. Der Parkplatz ist voll und die Leute schauen uns schon mit großen Augen an. Nach einigen erfolglosen Versuchen kommt eine dänische Frau auf uns zu und erklärt dass sie eine Krankenschwester ist und uns helfen kann die Zecke zu entfernen. Was für ein Glück. Wir begleiten sie zu ihrem Wohnwagen, ein paar Minuten später ist die Zecke raus. Emil und wir brauchen ein bisschen um uns von dem Schock zu erholen. Armer Emil, der wusste ja garnicht was da mit ihm geschieht. Er klammert sich fest an uns und kommt schließlich zur Ruhe. Nach all der Aufregung packen wir unsere 7 Sachen zusammen und wollen uns auf den weiteren Weg machen, da fällt uns zu allem Überfluss auf, dass das Scharnier am Kühlschrankdeckel eine Schraube locker hat. Zum Befestigen benötigt man leider Spezialwerkzeug. Die Internetrecherche ergibt dass nur 5 km von uns ein VW Händler ist, so dass dies unser nächster Stop sein wird. Kurze Zeit später stehen wir auf dem leeren Parkplatz und es scheint als wäre niemand da. Doch dann erspähen wir einen Mitarbeiter, laufen auf ihn zu und fragen ob er uns helfen könne. Der gute Mann allerdings schaut uns mit einem fragendem Blick an und erklärt dass heute niemand in der Werkstatt anzutreffen ist. Darüber sind wir sehr erstaunt und fragen nach. Er erklärt uns dass in der Regal auch in Dänemark an Sonntagen die Werkstatt nicht besetzt ist. Ups, es scheint als wären wir bereits vollkommen im Urlaub angekommen und die genauen Wochentage sind für uns zweitrangig. Wir beschließen das Kühlschrankproblem in Hirtshals zu lösen und setzen unsere Fahrt fort.

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